Historisches


Aus der Vereinsgeschichte der Stadtmusik Seekirchen
Text: Nikolaus Huber

Der erste Seekirchner Musik-Verein, auch „Musikgesellschaft“ genannt, wurde bereits im Revolutionsjahr 1848 gegründet. Der Choralist Anton Wichtl, eine Reihe Marktbürger und der Augermüller, Reichstagsabgeordnete Johannes Berger sind uns als Mitwirkende bekannt. 29 freiwillige Spenden im Gesamtwert von 100 Gulden, davon 15 Gulden aus dem Stift, finanzierten die Musikinstrumente und die Noten für das beliebte Repertoire an Märschen und Walzern.
Im Neoabsolutismus war für eine Bürgermusik kein Platz. Der Verein ging ein. Die Instrumente fanden im Kirchenchor Verwendung. Dieses revolutionäre Faustpfand in Stiftshänden verursachte 1857 einen kulturpolitischen Dissens, als das Stift die endgültige Überlassung der Instrumente erbat, wozu die seinerzeitigen Mitglieder des Musikvereins halb gezwungen ihre Zustimmung gaben. „Bei den bekannt gewordenen verschiedenen Ansichten über das Verhältnis betreffender Instrumente“ lehnte das Stift jedoch gekränkt die Schenkung ab. Die Instrumente kamen in ein Depot. Gleichzeitig war der Wunsch der Bevölkerung groß auch in Seekirchen wieder eine eigene Blechmusik zu haben. So ist festgehalten dass als erster “Bandist“ (Kapellmeister) der Malermeister Michael Mayrhofer fungierte und die erste Probe am Rupertitag 1862 im Hause Mayerhofer stattfand. Dies gilt auch als eigentliches Gründungsjahr der Stadtmusik Seekirchen. Nach einer halbjährigen Probezeit konnte die Kapelle bereits bei Hochzeiten spielen. Die Besetzung war für die damalige Zeit eine sehr beachtliche: 3 C-Klarinetten, 3 C-Trompeten, 1 Baßflügelhoren, 1 Posaune und 2 Waldhörner, 1 Baßgeige. Die deponierten „Nationalgarde-Instrumente“ wurden 1868 von der Marktgemeinde dem Schneidermeister und Choralisten Franz Süß, der seinerzeit als Bandist bei der Regimentsmusik des Rainer-Regiments in Vicenza gedient hatte, überlassen. In diesem Jahr übernahm Franz Süß auch die Funktion des Kapellmeisters. Doch erst 1872 übernahm die Kapelle die nun schon harmloseren „Bürgermusik-Instrumente“ und 1879 wurde die, auch aus der revolutionären Erbmasse stammende „große Marktgemeinde-Trommel“ übergeben. Im Gemeinde-Inventarium vom 28. Februar 1867 steht zu dieser Trommel –„messingene Trommel der bestandenen hiesigen Nationalgarde samt Bandeliers und Schlägeln de 1848“. Nunmehr konnte die Musikbande abwechselnd auch als Veteranen- und Feuerwehrmusik auftreten. Franz Süß, der große Musiker und Kapellmeister, führte die Musik bis 1914. Ihm folgte Martin Mieser, Bauer in Schmiedberg. In dieser Zeit fungierte bereits der junge Franz Tiefenbacher, der spätere Bezirks-und Ehrenkapellmeister als Dirigent. Im Jahre 1931 übernahm Felix Winkler vom Schreiberg die Stelle als Kapellmeister, Dirigent blieb Franz Tiefenbacher. 1934 verstarb überraschend Kapellmeister Felix Winkler an den Folgen einer Operation. An seine Stelle trat Johann Baumgartner, der nun auch selbst dirigierte. Ab dem Jahre 1939 konnten kaum mehr regelmäßige Proben stattfinden, da viele Musiker kriegsbedingt zum Militärdienst eingezogen wurden. Erst 1947 schritten die Musiker zum Neuaufbau der Kapelle. Als Kapellmeister kam Matthias Baumgartner zum Einsatz, der ältere Bruder von Hans Baumgartner, der aus dem Krieg nicht mehr zurückgekehrt war. Franz Tiefenbacher amtierte wieder als Dirigent. Beim 90jährigen Gründungsfest 1952 war Gemeindesekretär Felix Winkler als Kapellmeister tätig.
1954 wurde Franz Tiefenbacher zum Kapellmeister und als Stellvertreter Hans Steffler ernannt. Franz Tiefenbacher ist uns in vielfältiger Weise als musikalisches Ausnahmetalent in Erinnerung. Er wurde Bezirkskapellmeister und übte dieses Amt bis 1974 aus. Als Kapellmeister folgte ihm 1968 Felix Winkler von Schreiberg, Dirigent wurde vorübergehend Hans Steffler. In diese Zeit fiel auch die Neueinkleidung in die aktuelle Vereinstracht sowie eine komplette Neuinstrumentierung. Felix Winkler ist seit über 50 Jahren aktiver Musiker der Stadtmusik.

1981 übernahm Alois Kersch die Stelle des Kapellmeisters. Er war zugleich Leiter des neugegründeten Musikschulwerkes. In seine Zeit fiel der Aufbau der Musikschule. 1991 erhält die immer vereinsmäßig geführte Stadtmusik mit Bankdirektor Nikolaus Huber ihren ersten „Obmann“. 1993 wurden neue Statuten ausgearbeitet und und im öffentlichen Vereinsregister eintragen. Proponent und Gründungsobmann war Bankdirektor Nikolaus Huber. So war es möglich, durch gemeinsame Anstrengungen 1997 für die Musikschule ein neues Haus und für die Stadtmusik zeitgemäße Probenräume zu schaffen.

Obfrau Monika Kersch war in den Jahren 1999- 2000 um das Wohl der Stadtmusik bemüht.
Ihr folgte wieder Nikolaus Huber. Im Jahre 2001 wurde Alfons Schober, Lehrer für Trompete und Flügelhorn am Musikum Seekirchen Kapellmeister. 2003 wurde Matthias Winkler von Unterholz Obmann, 2006 bis 2012 war Josef Haberl, Bischofbauer in dieser Aufgabe tätig. Im Jahre 2013 übernahm Peter Rapp diese Aufgabe und von 2016 bis 2018 war Johann Frauenlob als Obmann tätig. Seid 2019 ist wiederum Matthias Winkler Obmann der Stadtmusik Seekirchen.
Im Jahre 2012 feierte die MusikInnen 150 Jahre Stadtmusik Seekirchen. Diese Feier zog sich über das Ganze Jahr hindurch und bildete im Juni mit einem viertägigem Fest den Höhepunkt.
Kapellmeister der Stadtmusik Seekirchen war 2009 bis 2011 Bernhard Wuppinger, in enger Zusammenarbeit, mit Kapellmeister Roman Öschlberger. Ab dem Jahre 2011 war Bernhard Wuppinger als alleiniger Kapellmeister an der Spitze. Seit Frühjahr 2016 ist Kpm. Heinrich Stettner als musikalischer Leiter der Stadtmusik tätig.

Quellen: 1300 Jahre Seekirchen (Chronik)
(Hg. Elisabeth und Heinz Dopsch), 1996
Festschrift 125 Jahre MM Seekirchen (1987)
Vereinschronik der Stadtmusik